Wer jagt hier eigentlich wen? Ein Sonntagsjäger lebt nicht von der Jagd; er ist der brave Bürger, der sich am freien Tag als Waidmann versucht. Im Zylinder und dunklen Rock hockt er auf einem Baumstumpf, das Gewehr schräg zum Boden gesenkt. Gespannte Aufmerksamkeit sieht anders aus. Links am Weg richtet sich ausgerechnet ein Hase gut sichtbar auf und scheint den reglosen Herrn zu mustern. Genau darin steckt der Witz: Das vermeintliche Wild ist wacher als sein Jäger. Ein heller Pfad führt durch Wiesen zur dunklen Baumgruppe am Horizont, darüber ein grauer Himmel, dessen Licht die gelbgrünen Flächen und den gewundenen Weg hervorhebt. Braun, Grün und gedämpftes Gelb bestimmen die Landschaft; der schwarze Zylinder sitzt darin wie ein kleiner Ausrufezeichenpunkt. Carl Spitzweg, Münchner und ursprünglich Apotheker, schildert den Alltag der Biedermeierzeit mit liebevoller Ironie. Seine Komik entsteht nicht durch Übertreibung, sondern durch Haltung, Abstand und ein unscheinbares Gegenüber am Wegesrand - und ich ertappe mich dabei, dem Hasen die Daumen zu drücken.
Auf der Leinwand Leonardo mit satinierter Oberfläche behalten die gedämpften Farben ihren malerischen Zusammenhang. Die 36 x 21 cm geben der breiten Landschaft Raum, ohne dass die kleine Pointe zwischen Jäger und Hase untergeht. Effie umschließt das Bild schwarz, die goldene Innenzone grenzt direkt an Himmel, Wiese und Erdreich; ein Passepartout gibt es nicht, und das Fillet Allie zeichnet den Übergang zum Motiv noch einmal nach. Unten zeigt sich, wie unterschiedlich dasselbe Gold wirken kann: Neben dem fast schwarzen Pflanzenstreifen leuchtet es kräftig, an den hellen Wolken bleibt es ruhiger. Außen führt das Schwarz die Kleidung des Jägers und die Schattenpartien fort. Für mein Empfinden passt dieser Wechsel aus Gold und Schwarz genau zu Spitzwegs Pointe: ein wenig feierlicher Auftritt rund um einen Mann, der beim Jagen vor allem sitzt.