Zwei Blickachsen ordnen die Uferszene: Die stehende Frau schaut über das Wasser, während die sitzende Anglerin ihrer feinen Rute folgt. Dazwischen setzt der schlanke Baumstamm eine ruhige Vertikale; der geschlossene Sonnenschirm führt den Blick schräg ins Gras zurück. Helle Kleider heben sich gegen dunkles Grün, und auf dem Fluss mischen sich blasses Blau, Violett und gelbliche Lichtspuren. Am lebendigsten wirkt das Laub, das Wilfred Gabriel de Glehn mit kurzen, bewegten Strichen über die Szene verteilt. Trotz dieser malerischen Unruhe bewahrt das Motiv etwas Gelassenes: Das Angeln ist weniger Handlung als Anlass zum Verweilen. De Glehn, ein britischer Künstler, hält diesen Augenblick 1919 fest. Die Bezeichnung als Buchplatte gibt dem Bild zugleich den Charakter einer Illustration, doch die kräftige Malweise behauptet sich ganz ohne erzählerische Erklärung.
Aus nächster Nähe gewinnt diese Anfertigung eine zweite, beinahe tastbare Ebene. Auf der Leinwand Leonardo mit satinierter Oberfläche bleibt die Webstruktur deutlich sichtbar: Im hellen Wasser läuft das feine Raster durch die lavendelfarbenen Bahnen, ebenso durch Ärmel, Hut und Schleifen der sitzenden Frau. Gerade dort, wo kurze Druckspuren Pinselstriche nachzeichnen, verschränken sich Bild und Gewebe - und genau an diesen Stellen bleibt man hängen. Die hellen Akzente an der Hutkrempe erscheinen kompakter, während dünne Linien der Angelrute das Relief beinahe unbeirrt überqueren. Auch in den dunklen Partien am unteren Rand verschwinden die Fäden nicht; sie geben den Grün- und Brauntönen eine körnige Tiefe. Weil kein Glas davor sitzt, liegt diese Oberfläche offen vor dem Auge. Patricia, eine goldfarbene Holzleiste, fasst die Leinwand knapp ein, ohne ihre Materialwirkung zu verdecken.
So hätte das Werk auch zur Entstehungszeit hängen können. Von weitem trägt die gerahmte Szene ihre Ruhe in den Raum; wer näher tritt, entdeckt im sichtbaren Gewebe immer wieder Neues - eine Kombination, die dem Motiv gut steht.