| Geboren | 1866 (Kyōto) |
| Gestorben | 1942 (Kyōto) |
| Nationalität | Japan |
| Epochen | Asiatische Kunst |
| Beruf | Designer, Maler |
| Schüler | Furuya Kōrin |
| Bekannte Werke | Flowers of the Four Seasons (1925), Longevity Dance, Manzai Comedy at the Imperial Palace, Maid of Ōhara, Pine and Plum Blossoms, Manzai Comedy, one of three panels, Folding Fan with Fushimi Doll |
| Museen | Cleveland Museum of Art |
Man betrachte zuerst den Berg. Das Blatt „Berg Fuji, aus Momoyo-gusa“ von 1909 - der Titelzusatz nennt das Album, zu dem das Blatt gehört - zeigt einen weißen Kegel vor goldgelbem Grund, dazu einige blaue Schattenbahnen an der Flanke - kein Himmel, keine Wolke, kein Pilger. Der Gipfel ist so eng beschnitten wie ein Fotoausschnitt, und die wenigen Farbflächen sitzen so sicher wie ein Markenzeichen. Wer so entwirft, denkt als Designer. Der Urheber war Kamisaka Sekka, mit bürgerlichem Namen Kamisaka Yoshitaka, ein japanischer Maler und Designer, geboren 1866 in Kyoto. Er gilt als der letzte große Meister der Rinpa-Tradition - jener dekorativen Kyotoer Kunstrichtung, die im frühen 17. Jahrhundert von Hon'ami Koetsu und Tawaraya Sotatsu begründet und von Ogata Korin verfeinert worden war.
Sein Weg zu dieser Sicherheit des Entwerfens begann im Kyotoer Stadtteil Awata, in einer Samurai-Familie, die das Talent des Jungen früh erkannte. Mit sechzehn wurde er Schüler des Shijo-Malers Suzuki Zuigen - die Shijo-Schule pflegte eine naturnahe Kyotoer Malweise -, um 1888 wechselte er zu Kishi Kokei, einem Künstler und Designer des kaiserlichen Hofes, der ihn zum Kunstgewerbe führte. Der Diplomat Shinagawa Yajiro machte ihn mit europäischer Dekorationskunst bekannt und ermutigte ihn zur Entwurfsarbeit; 1895 gewann Sekka mit dem Entwurf eines Räuchergefäßes einen zweiten Preis, 1899 berief ihn die Stadt Kyoto zu ihrem technischen Berater.
Die entscheidende Reise folgte 1901. Die japanische Regierung entsandte den Fünfunddreißigjährigen zur Internationalen Ausstellung nach Glasgow, und der Auftrag verdient Aufmerksamkeit - Sekka sollte erkunden, was den Westen an der japanischen Kunst so anzog. In Schottland begegnete er dem Jugendstil, einer europäischen Bewegung, die ihrerseits längst von japanischer Ästhetik zehrte. Der Kyotoer Designer studierte im Westen also eine Mode, deren Quellen in seiner Heimat lagen. Nach der Rückkehr zog er die Folgerung, an der er sein Leben lang festhielt - er erneuerte die eigene Rinpa-Überlieferung mit modernen Mitteln und ließ die fremde Formensprache dort, wo er sie gefunden hatte.
Vorgeführt hat er das in Druckwerken des Kyotoer Verlags Unsodo. 1903 erschien das dreibändige Vorlagen-Album Chigusa, im Abonnement zu je drei Blättern ausgeliefert, gedruckt mit schimmerndem Glimmerpulver und mit Prägung. Ebenfalls 1903 entstand „Vögel bei Sonnenuntergang am See“. Zwei langbeinige Vögel stehen auf einer silbrigen Uferzunge, hinter ihnen brennt der Abendhimmel orangerot, und die Sonne hängt als gestreifte Goldscheibe über golden schraffierten Wellen. Das Hauptwerk folgte 1909 und 1910 mit dem Album Momoyogusa, den „Blumen von hundert Welten“: drei Bände mit sechzig doppelseitigen Farbholzschnitten, gedruckt mit Tusche, Farbe, Gold und Silber, zuerst Blatt für Blatt an Subskribenten geliefert, später gebunden für ein breites Publikum neu aufgelegt. Im Vorwort lässt der Kyotoer Arzt Sugawa Nobuyuki die Blumen im „Geist des neuen Zeitalters“ erblühen; das Album verstand sich als Manifest der Moderne aus der alten Kaiserstadt. Zu seinen kühnsten Blättern gehört „Wirbelnder Schnee, 1909 (Holzschnitt)“ - eine Gestalt duckt sich unter cremefarbenem Kegelhut und schwarzem Umhang durch den Sturm, sichtbar bleiben allein die Füße und ein Stab, während weiße Schneepunkte vor grauem, stellenweise goldglänzendem Grund treiben. Die zarte Gegenstimme liefert „Blumen von hundert Welten (Momoyogusa): Weide und Kirsche“ - grüne Weidenschleier fallen in langen Bögen über einen blühenden Kirschzweig, und der warme Papierton übernimmt die Rolle des Lichts.
Der Entwerfer arbeitete quer durch die Werkstätten - Lack, Textil, Keramik, Interieur. Viele seiner Entwürfe führte sein jüngerer Bruder Kamisaka Yukichi aus, ein Lackmeister; der eine zeichnete vor, der andere vollendete. Ab 1905 unterrichtete Sekka an der Kunstgewerbeschule der Stadt Kyoto, 1907 gründete er in Kyoto eine eigene Kunstgewerbe-Gesellschaft. 1915, zum 200. Todestag Ogata Korins, gestaltete er den Einband des Katalogs zur Gedenkausstellung, ein Kiefernmuster im Stil des Verehrten, mit Glimmerpulver gedruckt - der letzte Rinpa-Meister verneigte sich vor seinem Ahnherrn. 1938 wurde er in den Rat des Kyoto Art Museum berufen, 1942 starb er in seiner Geburtsstadt. Danach geriet das Werk für rund sechs Jahrzehnte aus dem Blick, ehe 2003 in Kyoto die erste Gesamtschau eröffnete und anschließend nach Los Angeles und ins amerikanische Birmingham weiterzog; 2012 ließ das Metropolitan Museum in New York Besucher Sekkas Druckbücher digital durchblättern, und die Art Gallery of New South Wales in Sydney zeigte ihn in einer eigenen Ausstellung als Wegbereiter des modernen japanischen Designs.
Bei Meisterdrucke hängt Sekka darum Seite an Seite mit den Klassikern des japanischen Holzschnitts, mit Katsushika Hokusai und Utagawa Hiroshige. Kunsthistorisch ist das eine reizvolle Nachbarschaft, denn die beiden Älteren gehörten dem Ukiyo-e an, der volkstümlichen Bilderwelt der Edo-Zeit, während Sekka die dekorative Rinpa-Linie Kyotos fortführte - zwei verschiedene Überlieferungen, verbunden durch dasselbe Verfahren, den geschnittenen Holzstock und das geduldige Drucken Farbe um Farbe. So gesehen zeigt die Nachbarschaft Sekka als den jüngsten Verwandten einer großen Druckerfamilie, der dem alten Verfahren die Formensprache des zwanzigsten Jahrhunderts beibrachte.
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| Geboren | 1866 (Kyōto) |
| Gestorben | 1942 (Kyōto) |
| Nationalität | Japan |
| Epochen | Asiatische Kunst |
| Beruf | Designer, Maler |
| Schüler | Furuya Kōrin |
| Bekannte Werke | Flowers of the Four Seasons (1925), Longevity Dance, Manzai Comedy at the Imperial Palace, Maid of Ōhara, Pine and Plum Blossoms, Manzai Comedy, one of three panels, Folding Fan with Fushimi Doll |
| Museen | Cleveland Museum of Art |
Man betrachte zuerst den Berg. Das Blatt „Berg Fuji, aus Momoyo-gusa“ von 1909 - der Titelzusatz nennt das Album, zu dem das Blatt gehört - zeigt einen weißen Kegel vor goldgelbem Grund, dazu einige blaue Schattenbahnen an der Flanke - kein Himmel, keine Wolke, kein Pilger. Der Gipfel ist so eng beschnitten wie ein Fotoausschnitt, und die wenigen Farbflächen sitzen so sicher wie ein Markenzeichen. Wer so entwirft, denkt als Designer. Der Urheber war Kamisaka Sekka, mit bürgerlichem Namen Kamisaka Yoshitaka, ein japanischer Maler und Designer, geboren 1866 in Kyoto. Er gilt als der letzte große Meister der Rinpa-Tradition - jener dekorativen Kyotoer Kunstrichtung, die im frühen 17. Jahrhundert von Hon'ami Koetsu und Tawaraya Sotatsu begründet und von Ogata Korin verfeinert worden war.
Sein Weg zu dieser Sicherheit des Entwerfens begann im Kyotoer Stadtteil Awata, in einer Samurai-Familie, die das Talent des Jungen früh erkannte. Mit sechzehn wurde er Schüler des Shijo-Malers Suzuki Zuigen - die Shijo-Schule pflegte eine naturnahe Kyotoer Malweise -, um 1888 wechselte er zu Kishi Kokei, einem Künstler und Designer des kaiserlichen Hofes, der ihn zum Kunstgewerbe führte. Der Diplomat Shinagawa Yajiro machte ihn mit europäischer Dekorationskunst bekannt und ermutigte ihn zur Entwurfsarbeit; 1895 gewann Sekka mit dem Entwurf eines Räuchergefäßes einen zweiten Preis, 1899 berief ihn die Stadt Kyoto zu ihrem technischen Berater.
Die entscheidende Reise folgte 1901. Die japanische Regierung entsandte den Fünfunddreißigjährigen zur Internationalen Ausstellung nach Glasgow, und der Auftrag verdient Aufmerksamkeit - Sekka sollte erkunden, was den Westen an der japanischen Kunst so anzog. In Schottland begegnete er dem Jugendstil, einer europäischen Bewegung, die ihrerseits längst von japanischer Ästhetik zehrte. Der Kyotoer Designer studierte im Westen also eine Mode, deren Quellen in seiner Heimat lagen. Nach der Rückkehr zog er die Folgerung, an der er sein Leben lang festhielt - er erneuerte die eigene Rinpa-Überlieferung mit modernen Mitteln und ließ die fremde Formensprache dort, wo er sie gefunden hatte.
Vorgeführt hat er das in Druckwerken des Kyotoer Verlags Unsodo. 1903 erschien das dreibändige Vorlagen-Album Chigusa, im Abonnement zu je drei Blättern ausgeliefert, gedruckt mit schimmerndem Glimmerpulver und mit Prägung. Ebenfalls 1903 entstand „Vögel bei Sonnenuntergang am See“. Zwei langbeinige Vögel stehen auf einer silbrigen Uferzunge, hinter ihnen brennt der Abendhimmel orangerot, und die Sonne hängt als gestreifte Goldscheibe über golden schraffierten Wellen. Das Hauptwerk folgte 1909 und 1910 mit dem Album Momoyogusa, den „Blumen von hundert Welten“: drei Bände mit sechzig doppelseitigen Farbholzschnitten, gedruckt mit Tusche, Farbe, Gold und Silber, zuerst Blatt für Blatt an Subskribenten geliefert, später gebunden für ein breites Publikum neu aufgelegt. Im Vorwort lässt der Kyotoer Arzt Sugawa Nobuyuki die Blumen im „Geist des neuen Zeitalters“ erblühen; das Album verstand sich als Manifest der Moderne aus der alten Kaiserstadt. Zu seinen kühnsten Blättern gehört „Wirbelnder Schnee, 1909 (Holzschnitt)“ - eine Gestalt duckt sich unter cremefarbenem Kegelhut und schwarzem Umhang durch den Sturm, sichtbar bleiben allein die Füße und ein Stab, während weiße Schneepunkte vor grauem, stellenweise goldglänzendem Grund treiben. Die zarte Gegenstimme liefert „Blumen von hundert Welten (Momoyogusa): Weide und Kirsche“ - grüne Weidenschleier fallen in langen Bögen über einen blühenden Kirschzweig, und der warme Papierton übernimmt die Rolle des Lichts.
Der Entwerfer arbeitete quer durch die Werkstätten - Lack, Textil, Keramik, Interieur. Viele seiner Entwürfe führte sein jüngerer Bruder Kamisaka Yukichi aus, ein Lackmeister; der eine zeichnete vor, der andere vollendete. Ab 1905 unterrichtete Sekka an der Kunstgewerbeschule der Stadt Kyoto, 1907 gründete er in Kyoto eine eigene Kunstgewerbe-Gesellschaft. 1915, zum 200. Todestag Ogata Korins, gestaltete er den Einband des Katalogs zur Gedenkausstellung, ein Kiefernmuster im Stil des Verehrten, mit Glimmerpulver gedruckt - der letzte Rinpa-Meister verneigte sich vor seinem Ahnherrn. 1938 wurde er in den Rat des Kyoto Art Museum berufen, 1942 starb er in seiner Geburtsstadt. Danach geriet das Werk für rund sechs Jahrzehnte aus dem Blick, ehe 2003 in Kyoto die erste Gesamtschau eröffnete und anschließend nach Los Angeles und ins amerikanische Birmingham weiterzog; 2012 ließ das Metropolitan Museum in New York Besucher Sekkas Druckbücher digital durchblättern, und die Art Gallery of New South Wales in Sydney zeigte ihn in einer eigenen Ausstellung als Wegbereiter des modernen japanischen Designs.
Bei Meisterdrucke hängt Sekka darum Seite an Seite mit den Klassikern des japanischen Holzschnitts, mit Katsushika Hokusai und Utagawa Hiroshige. Kunsthistorisch ist das eine reizvolle Nachbarschaft, denn die beiden Älteren gehörten dem Ukiyo-e an, der volkstümlichen Bilderwelt der Edo-Zeit, während Sekka die dekorative Rinpa-Linie Kyotos fortführte - zwei verschiedene Überlieferungen, verbunden durch dasselbe Verfahren, den geschnittenen Holzstock und das geduldige Drucken Farbe um Farbe. So gesehen zeigt die Nachbarschaft Sekka als den jüngsten Verwandten einer großen Druckerfamilie, der dem alten Verfahren die Formensprache des zwanzigsten Jahrhunderts beibrachte.