Das Motiv, das derzeit in der Alten Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin hängt, misst im Original 101,5 × 70 cm, aber trotz dieser enormen Verkleinerung wirkt das Bild in der vorliegenden Fassung nicht wie eine bloße Miniatur. Aus der dunklen Vase steigt der Flieder fast bis an den oberen Rand. Helle Blütenrispen schieben sich übereinander, lösen sich wieder auf und treten vor dem braunschwarzen Grund stellenweise wie kleine Lichtwolken hervor. Dazwischen sitzen schwere Blätter, einzelne rote Tupfer und jene dunklen Zwischenräume, die dem Strauß erst seine Tiefe geben. Unten scheint die Ordnung für einen Moment verloren: Abgebrochene Zweige und verstreute Blüten liegen auf der Tischfläche, als sei der Strauß eben erst zusammengestellt worden - an diesem Detail bleibt der Blick gern hängen. Lesser Ury malt dieses Stillleben 1922, in seiner späten Schaffenszeit. Der deutsche Impressionist behandelt die Blumen nicht botanisch genau, sondern als bewegte Masse aus Farbe und Licht. Einige Blüten besitzen klare Konturen, andere zerfallen beinahe in kurze Pinselsetzungen. So trägt das Bild zugleich Fülle und Vergänglichkeit in sich. Als möglicher Bezugspunkt gilt Édouard Manets Fliederstillleben, das sich damals in einer Berliner Sammlung befindet. Ury entwickelt daraus jedoch eine dunklere, dichter gedrängte Szene.
Nun hängt die Anfertigung im Maß von 25 × 36 cm an der Wand, und gerade dort zeigt sich, wie entschieden die Verkleinerung ausfällt. Aus der Nähe lassen sich die einzelnen Blüten und verstreuten Zweige verfolgen. Schon nach wenigen Schritten Abstand schließt sich alles wieder zu einem hellen Strauß. Die Leinwand Leonardo mit satinierter Oberfläche sitzt ohne Passepartout unmittelbar im Rahmen Effie - so verliert das Motiv keinen Raum an einen breiten Zwischenrand. Effie erweitert das kleine Bild nach außen: Das schwarze Profil gibt ihm an der Wand mehr Gewicht, während die Goldkante die eigentliche Bildöffnung klar markiert. Von vorn wirkt das Stück streng hochkant, beinahe fensterartig. Wer seitlich daran vorbeigeht, erkennt die Rahmentiefe, ohne dass die Anfertigung weit in den Raum ragt. Das Format verlangt keinen großen Wandabschnitt; zugleich verschwindet der Strauß nicht zwischen anderen Gegenständen - eine Balance, die dem kleinen Format erstaunlich gut steht. Auf Augenhöhe sitzt die Vase deutlich unterhalb der Mitte, sodass die Fliederrispen den größten Teil der sichtbaren Fläche einnehmen. Über der obersten Blüte bleibt nur ein schmaler Streifen des dunklen Grundes bis zur Goldkante.