| Geboren | ca. 1532 (Cremona) |
| Gestorben | 1625 (Palermo) |
| Nationalität | Italien |
| Epochen | Manierismus, Renaissance |
| Genre | Porträt, Historienmalerei, Genremalerei, Religiöse Kunst |
| Beruf | Maler, Designer |
| Familie | Vater: Amilcare Anguissola Mutter: Bianca Ponzoni Anguissola Ehepartner/in: Orazio Lomellino Geschwister: Europa Anguissola, Lucia Anguissola, Minerva Anguissola, Anna Maria Anguissola, Elena Anguissola |
| Lehrer | Bernardino Campi, Bernardino Gatti |
| Bekannte Werke | Porträt der Schwestern der Künstlerin beim Schachspiel (1555), Portrait Group with the Artist’s Father, Brother and Sister (1559), Selbstbildnis (1554), Self-portrait at the Spinnet (1555), Miniature Self Portrait (Anguissola, Boston) (1556) |
| Museen | Walters Art Museum, Muzeum Narodowe w Warszawie, National Gallery of Ireland |
Amilcare Anguissola, ein Edelmann aus Cremona, tat um die Mitte des 16. Jahrhunderts etwas Ungewöhnliches. Er gab zwei seiner Töchter in die Malerlehre und wählte damit einen Weg, den die italienische Renaissance für Adelstöchter nicht kannte. Die ältere, Sofonisba Anguissola, war um 1532 in Cremona geboren worden und etwa vierzehn, als die Lehre bei Bernardino Campi begann, später bei Bernardino Gatti. Das Aktstudium blieb Frauen verschlossen - und damit die großen Historienbilder, die ohne Körperstudien nicht zu malen waren. So malte sie, was ihr niemand verbieten konnte: sich selbst und die eigene Familie.
Das bekannteste dieser Familienbilder ist das „Schachspiel, 1555“ im Nationalmuseum Poznań. Drei ihrer Schwestern, Lucia, Europa und Minerva, sitzen mit einer Magd am Brett vor weiter Flusslandschaft; die Spielerin links führt eine Figur und sieht ruhig aus dem Bild, die mittlere lacht, die dritte hebt die Hand, den Mund halb geöffnet. Giorgio Vasari sah das Bild im Haus des Vaters und schrieb, den Figuren fehle nichts als die Sprache. Auf dem Schachbrettrand steht die Unterschrift: „Sofonisba Anguissola, Jungfrau, Tochter des Amilcare, malte nach dem Leben ihre drei Schwestern und eine Magd, 1555.“
Bei Meisterdrucke tragen 72 Kunstdrucke diesen selbstbewusst ins Bild geschriebenen Namen weiter. Die Bestellliste führt mit Abstand das Schachspiel an, dahinter folgen die Selbstporträts; die meisten Vorlagen sind Ölgemälde. Das Urteil der Kundschaft teilen wir, denn in diesen Bildern ist die Malerin dort, wo ihre Kunst zu Hause war - bei der eigenen Familie.
Eines davon, das „Selbstporträt am Staffelei, 1556“, zeigt sie im dunklen Kleid mit weißem Spitzenkragen, den Pinsel am Malstock; auf der Staffelei entsteht eine Madonna, die ihr Kind küsst. Ein Programm, könnte man meinen - die Adlige bei der Arbeit. Sogar Michelangelo in Rom bekam eine ihrer Zeichnungen zu sehen, ein lachendes Kind, und wünschte sich ein weinendes, weil das schwieriger sei. Ihre Antwort war eine Zeichnung: der kleine Bruder Asdrubale, von einem Krebs gebissen. Das Blatt ging 1562 zusammen mit einer Zeichnung Michelangelos an den Hof von Florenz.
Kurz vor ihrem Aufbruch nach Spanien entstand noch ein Familienstück: „Porträt der Familie des Künstlers, Minerva (Schwester) Amilcare (Vater) und Asdrubale (Bruder), 1559“. Der Vater sitzt zwischen den Kindern; Asdrubale in Rot legt seine Hand in die des Vaters und sieht zu ihm auf, Minerva hält einen Strauß, daneben wartet ein weißer Hund.
Im Winter von 1559 auf 1560 rief der spanische Hof. Weil eine Malerin im Hofstaat nicht vorgesehen war, führte man die Italienerin als Hofdame; tatsächlich malte sie und lehrte die junge Königin Isabel von Valois zeichnen. Vieles aus der Madrider Zeit verbrannte 1734 mit dem Alcázar, dem Madrider Königspalast, und Erhaltenes galt lange als Werk der spanischen Hofmaler Coello und Pantoja, ehe der Prado ein Bildnis der Königin wieder ihr zuschrieb.
Nach den Hofjahren heiratete sie den sizilianischen Adligen Fabrizio Moncada; die Mitgift von 12.000 Scudi gab König Philipp II.; 1579 war sie Witwe. Auf der Seereise heimwärts lernte sie den Kapitän und Seehändler Orazio Lomellino kennen und wurde in Pisa seine Frau. Es folgten Jahrzehnte in Genua, zuletzt Palermo; das Augenlicht ließ nach. 1625 starb sie in Palermo.
Ein Jahr davor, am 12. Juli 1624, hatte der 25-jährige Anthonis van Dyck sie besucht, der Star der nächsten Malergeneration. Er zeichnete die fast erblindete Frau und vermerkte im Skizzenbuch, ihr Gedächtnis und ihr Verstand seien hellwach, ihre Art überaus höflich. Ihr Alter gab er mit 96 Jahren an; von um 1532 an gerechnet, waren es gut neunzig. Die Legende rundete bereits auf.
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| Geboren | ca. 1532 (Cremona) |
| Gestorben | 1625 (Palermo) |
| Nationalität | Italien |
| Epochen | Manierismus, Renaissance |
| Genre | Porträt, Historienmalerei, Genremalerei, Religiöse Kunst |
| Beruf | Maler, Designer |
| Familie | Vater: Amilcare Anguissola Mutter: Bianca Ponzoni Anguissola Ehepartner/in: Orazio Lomellino Geschwister: Europa Anguissola, Lucia Anguissola, Minerva Anguissola, Anna Maria Anguissola, Elena Anguissola |
| Lehrer | Bernardino Campi, Bernardino Gatti |
| Bekannte Werke | Porträt der Schwestern der Künstlerin beim Schachspiel (1555), Portrait Group with the Artist’s Father, Brother and Sister (1559), Selbstbildnis (1554), Self-portrait at the Spinnet (1555), Miniature Self Portrait (Anguissola, Boston) (1556) |
| Museen | Walters Art Museum, Muzeum Narodowe w Warszawie, National Gallery of Ireland |
Amilcare Anguissola, ein Edelmann aus Cremona, tat um die Mitte des 16. Jahrhunderts etwas Ungewöhnliches. Er gab zwei seiner Töchter in die Malerlehre und wählte damit einen Weg, den die italienische Renaissance für Adelstöchter nicht kannte. Die ältere, Sofonisba Anguissola, war um 1532 in Cremona geboren worden und etwa vierzehn, als die Lehre bei Bernardino Campi begann, später bei Bernardino Gatti. Das Aktstudium blieb Frauen verschlossen - und damit die großen Historienbilder, die ohne Körperstudien nicht zu malen waren. So malte sie, was ihr niemand verbieten konnte: sich selbst und die eigene Familie.
Das bekannteste dieser Familienbilder ist das „Schachspiel, 1555“ im Nationalmuseum Poznań. Drei ihrer Schwestern, Lucia, Europa und Minerva, sitzen mit einer Magd am Brett vor weiter Flusslandschaft; die Spielerin links führt eine Figur und sieht ruhig aus dem Bild, die mittlere lacht, die dritte hebt die Hand, den Mund halb geöffnet. Giorgio Vasari sah das Bild im Haus des Vaters und schrieb, den Figuren fehle nichts als die Sprache. Auf dem Schachbrettrand steht die Unterschrift: „Sofonisba Anguissola, Jungfrau, Tochter des Amilcare, malte nach dem Leben ihre drei Schwestern und eine Magd, 1555.“
Bei Meisterdrucke tragen 72 Kunstdrucke diesen selbstbewusst ins Bild geschriebenen Namen weiter. Die Bestellliste führt mit Abstand das Schachspiel an, dahinter folgen die Selbstporträts; die meisten Vorlagen sind Ölgemälde. Das Urteil der Kundschaft teilen wir, denn in diesen Bildern ist die Malerin dort, wo ihre Kunst zu Hause war - bei der eigenen Familie.
Eines davon, das „Selbstporträt am Staffelei, 1556“, zeigt sie im dunklen Kleid mit weißem Spitzenkragen, den Pinsel am Malstock; auf der Staffelei entsteht eine Madonna, die ihr Kind küsst. Ein Programm, könnte man meinen - die Adlige bei der Arbeit. Sogar Michelangelo in Rom bekam eine ihrer Zeichnungen zu sehen, ein lachendes Kind, und wünschte sich ein weinendes, weil das schwieriger sei. Ihre Antwort war eine Zeichnung: der kleine Bruder Asdrubale, von einem Krebs gebissen. Das Blatt ging 1562 zusammen mit einer Zeichnung Michelangelos an den Hof von Florenz.
Kurz vor ihrem Aufbruch nach Spanien entstand noch ein Familienstück: „Porträt der Familie des Künstlers, Minerva (Schwester) Amilcare (Vater) und Asdrubale (Bruder), 1559“. Der Vater sitzt zwischen den Kindern; Asdrubale in Rot legt seine Hand in die des Vaters und sieht zu ihm auf, Minerva hält einen Strauß, daneben wartet ein weißer Hund.
Im Winter von 1559 auf 1560 rief der spanische Hof. Weil eine Malerin im Hofstaat nicht vorgesehen war, führte man die Italienerin als Hofdame; tatsächlich malte sie und lehrte die junge Königin Isabel von Valois zeichnen. Vieles aus der Madrider Zeit verbrannte 1734 mit dem Alcázar, dem Madrider Königspalast, und Erhaltenes galt lange als Werk der spanischen Hofmaler Coello und Pantoja, ehe der Prado ein Bildnis der Königin wieder ihr zuschrieb.
Nach den Hofjahren heiratete sie den sizilianischen Adligen Fabrizio Moncada; die Mitgift von 12.000 Scudi gab König Philipp II.; 1579 war sie Witwe. Auf der Seereise heimwärts lernte sie den Kapitän und Seehändler Orazio Lomellino kennen und wurde in Pisa seine Frau. Es folgten Jahrzehnte in Genua, zuletzt Palermo; das Augenlicht ließ nach. 1625 starb sie in Palermo.
Ein Jahr davor, am 12. Juli 1624, hatte der 25-jährige Anthonis van Dyck sie besucht, der Star der nächsten Malergeneration. Er zeichnete die fast erblindete Frau und vermerkte im Skizzenbuch, ihr Gedächtnis und ihr Verstand seien hellwach, ihre Art überaus höflich. Ihr Alter gab er mit 96 Jahren an; von um 1532 an gerechnet, waren es gut neunzig. Die Legende rundete bereits auf.