| Geboren | 1785 (Soho) |
| Gestorben | 1851 (London) |
| Nationalität | Vereinigtes Königreich |
| Beruf | Maler, Graveur |
| Familie | Vater: Samuel Alken Geschwister: Samuel Alken (II) |
| Bekannte Werke | Grouse Shooting (1825), Boy Sitting Holding a Cap, Man Leaning on a Fence (1815), Study of Children, The Infant (1824) |
| Museen | Yale Center for British Art, Clark Art Institute |
Wer lernen will, wie man ein Pferd in vollem Lauf malt, geht am besten bei dem britischen Maler und Druckgrafiker Henry Thomas Alken in die Lehre. Ein Bild wie „Vollgas, ca. 1840“ - so übersetzt der Katalog den englischen Titel „Full Cry“ - führt die Aufgabe vor: Ein Schimmel und ein Fuchs strecken sich über die Wiese, der eine Reiter sitzt tief im roten Rock, der andere schwenkt im Sprung den Hut, rechts zieht die Meute als gefleckte Kette davon, und am Bildrand hält ein Landarbeiter mit dem Spaten inne, um zuzusehen. Alles ist in Bewegung, und doch stimmt jedes Bein, jeder Huf, jede Fessel - das schmale Gelenk über dem Huf. Erste Lektion also: Tempo entsteht aus Genauigkeit.
Zweite Lektion: Herkunft. Die Londoner Familie Alken brachte über vier Generationen acht dokumentierte Künstler hervor. Henry Thomas, geboren am 12. Oktober 1785 in Soho, war der dritte Sohn von Samuel Alken, der ebenfalls Jagd- und Sportszenen malte und sie in Aquatinta stach, einer Radiertechnik für weiche, flächige Töne; auch zwei Brüder und später die eigenen Söhne malten. Gelernt hat er zuerst zu Hause, dann beim Miniaturmaler John Thomas Barber Beaumont; 1801 und 1802 hingen zwei Porträtminiaturen von ihm in der Royal Academy, danach gab er das kleine Format auf. Die Schule des Miniaturisten blieb ihm in der Hand: Man erkennt sie an den fingergroßen Hunden seiner Jagdbilder, jeder einzeln durchgezeichnet, mit eigener Fellzeichnung und eigener Gangart.
Dritte Lektion: Ein Name ist ein Werkzeug. Seine frühesten Sportblätter ab 1813 tragen die Unterschrift eines Erfundenen, „Ben Tally Ho“ - benannt nach dem Ruf, mit dem englische Jäger den Fuchs melden, und gut geeignet für milde Satiren. Ab 1816 signierte er mit eigenem Namen, und das Geschäft lief: Der junge Familienvater wohnte über dem Laden des Verlegers Thomas McLean am Haymarket und lieferte Zeichnungen für 30 Shilling am Tag, damals ein sehr gutes Einkommen. 1821 erschien bei McLean sein Hauptwerk „The National Sports of Great Britain“, fünfzig handkolorierte Aquatinta-Tafeln über alles, was England seinerzeit unter Sport verstand, vom Pferderennen und der Fuchsjagd über das Angeln bis zum Preisboxen und Hahnenkampf - ein nüchternes Inventar der Sportkultur seiner Zeit.
Vierte Lektion, die wichtigste: Der Witz gehört auf die Menschen, nie auf die Pferde. Alken bediente beide Register mit derselben Hand, die noble Jagdserie ebenso wie das Karikaturenalbum, und am schönsten treffen sich beide in seinen Tafeln zu Mr Jorrocks - einer Romanfigur des Schriftstellers Robert Smith Surtees, einem jagdbesessenen Londoner Krämer. Auf „Heb mich hoch! Binde mich in meinen Stuhl! Fülle mein Glas!, 1838“ hängt Jorrocks nach dem Jagdtag glückselig schräg im Sessel, die Beine weit von sich gestreckt, während die Tafelrunde die Gläser hebt; an der Wand, wie es sich gehört: zwei Jagdbilder in Goldrahmen. Der Titel ist Jorrocks’ eigener Stoßseufzer, und Alken lacht mit seinem erschöpften Helden statt über ihn.
Fünfte Lektion: Die Signatur schützt nur bedingt vor Verwechslung. Weil so viele Alkens malten und etliche Werke schlicht mit „Alken“ gezeichnet sind, rätselt der Kunsthandel seit Generationen, welche Hand welches Bild führte; Sohn Samuel Henry signierte zeitweise täuschend ähnlich „H. Alken“, und eine Faustregel der Händler lautet, Damen im Damensattel deuteten eher auf den Sohn. Woran die Kundschaft ihren Alken erkannte, zeigt „Der Start des Derbys“: ein Feld von Jockeys Knie an Knie, die Jacken in Grün, Rot, Blau und Gelb, die Pferde gestreckt, eine Sekunde bevor das Rennen auseinanderzieht. Und in „Jagdszene (Gouache auf Tafel)“ fegen rote Röcke und gefleckte Meute gemeinsam über das Grün - das Fieber eines Jagdmorgens, verdichtet auf eine kleine Tafel.
Sechste Lektion: das Material. Alkens Ölszenen leben von dunklen Pferdeleibern, von dem einen satten Rot der Röcke und vom wechselnden Licht über der Wiese; im Kunstdruck verlangt diese Malerei einen Träger, der solche Kontraste tragen kann. Wir drucken sie darum bevorzugt auf leicht glänzende Leinwand: Der feine Glanz hält die Schwärzen tief und gibt dem Rot seine Leuchtkraft.
Die letzte Lektion gab Alken selbst. 1849, längst krank und verarmt - warum der Wohlstand der guten Jahre zerronnen war, ist nicht überliefert -, fasste er auf 58 Seiten zusammen, was ihn vierzig Jahre in der Werkstatt gelehrt hatten: „The Art and Practice of Etching“, ein praktisches Radier-Lehrbuch für Anfänger. Die zweite Auflage erschien 1851, und viel Zeit blieb dem Lehrmeister da nicht mehr: Am 7. April 1851 starb er in London. Sein Grab liegt auf dem Londoner Friedhof Highgate; die Beerdigung zahlte die Familie.
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| Geboren | 1785 (Soho) |
| Gestorben | 1851 (London) |
| Nationalität | Vereinigtes Königreich |
| Beruf | Maler, Graveur |
| Familie | Vater: Samuel Alken Geschwister: Samuel Alken (II) |
| Bekannte Werke | Grouse Shooting (1825), Boy Sitting Holding a Cap, Man Leaning on a Fence (1815), Study of Children, The Infant (1824) |
| Museen | Yale Center for British Art, Clark Art Institute |
Wer lernen will, wie man ein Pferd in vollem Lauf malt, geht am besten bei dem britischen Maler und Druckgrafiker Henry Thomas Alken in die Lehre. Ein Bild wie „Vollgas, ca. 1840“ - so übersetzt der Katalog den englischen Titel „Full Cry“ - führt die Aufgabe vor: Ein Schimmel und ein Fuchs strecken sich über die Wiese, der eine Reiter sitzt tief im roten Rock, der andere schwenkt im Sprung den Hut, rechts zieht die Meute als gefleckte Kette davon, und am Bildrand hält ein Landarbeiter mit dem Spaten inne, um zuzusehen. Alles ist in Bewegung, und doch stimmt jedes Bein, jeder Huf, jede Fessel - das schmale Gelenk über dem Huf. Erste Lektion also: Tempo entsteht aus Genauigkeit.
Zweite Lektion: Herkunft. Die Londoner Familie Alken brachte über vier Generationen acht dokumentierte Künstler hervor. Henry Thomas, geboren am 12. Oktober 1785 in Soho, war der dritte Sohn von Samuel Alken, der ebenfalls Jagd- und Sportszenen malte und sie in Aquatinta stach, einer Radiertechnik für weiche, flächige Töne; auch zwei Brüder und später die eigenen Söhne malten. Gelernt hat er zuerst zu Hause, dann beim Miniaturmaler John Thomas Barber Beaumont; 1801 und 1802 hingen zwei Porträtminiaturen von ihm in der Royal Academy, danach gab er das kleine Format auf. Die Schule des Miniaturisten blieb ihm in der Hand: Man erkennt sie an den fingergroßen Hunden seiner Jagdbilder, jeder einzeln durchgezeichnet, mit eigener Fellzeichnung und eigener Gangart.
Dritte Lektion: Ein Name ist ein Werkzeug. Seine frühesten Sportblätter ab 1813 tragen die Unterschrift eines Erfundenen, „Ben Tally Ho“ - benannt nach dem Ruf, mit dem englische Jäger den Fuchs melden, und gut geeignet für milde Satiren. Ab 1816 signierte er mit eigenem Namen, und das Geschäft lief: Der junge Familienvater wohnte über dem Laden des Verlegers Thomas McLean am Haymarket und lieferte Zeichnungen für 30 Shilling am Tag, damals ein sehr gutes Einkommen. 1821 erschien bei McLean sein Hauptwerk „The National Sports of Great Britain“, fünfzig handkolorierte Aquatinta-Tafeln über alles, was England seinerzeit unter Sport verstand, vom Pferderennen und der Fuchsjagd über das Angeln bis zum Preisboxen und Hahnenkampf - ein nüchternes Inventar der Sportkultur seiner Zeit.
Vierte Lektion, die wichtigste: Der Witz gehört auf die Menschen, nie auf die Pferde. Alken bediente beide Register mit derselben Hand, die noble Jagdserie ebenso wie das Karikaturenalbum, und am schönsten treffen sich beide in seinen Tafeln zu Mr Jorrocks - einer Romanfigur des Schriftstellers Robert Smith Surtees, einem jagdbesessenen Londoner Krämer. Auf „Heb mich hoch! Binde mich in meinen Stuhl! Fülle mein Glas!, 1838“ hängt Jorrocks nach dem Jagdtag glückselig schräg im Sessel, die Beine weit von sich gestreckt, während die Tafelrunde die Gläser hebt; an der Wand, wie es sich gehört: zwei Jagdbilder in Goldrahmen. Der Titel ist Jorrocks’ eigener Stoßseufzer, und Alken lacht mit seinem erschöpften Helden statt über ihn.
Fünfte Lektion: Die Signatur schützt nur bedingt vor Verwechslung. Weil so viele Alkens malten und etliche Werke schlicht mit „Alken“ gezeichnet sind, rätselt der Kunsthandel seit Generationen, welche Hand welches Bild führte; Sohn Samuel Henry signierte zeitweise täuschend ähnlich „H. Alken“, und eine Faustregel der Händler lautet, Damen im Damensattel deuteten eher auf den Sohn. Woran die Kundschaft ihren Alken erkannte, zeigt „Der Start des Derbys“: ein Feld von Jockeys Knie an Knie, die Jacken in Grün, Rot, Blau und Gelb, die Pferde gestreckt, eine Sekunde bevor das Rennen auseinanderzieht. Und in „Jagdszene (Gouache auf Tafel)“ fegen rote Röcke und gefleckte Meute gemeinsam über das Grün - das Fieber eines Jagdmorgens, verdichtet auf eine kleine Tafel.
Sechste Lektion: das Material. Alkens Ölszenen leben von dunklen Pferdeleibern, von dem einen satten Rot der Röcke und vom wechselnden Licht über der Wiese; im Kunstdruck verlangt diese Malerei einen Träger, der solche Kontraste tragen kann. Wir drucken sie darum bevorzugt auf leicht glänzende Leinwand: Der feine Glanz hält die Schwärzen tief und gibt dem Rot seine Leuchtkraft.
Die letzte Lektion gab Alken selbst. 1849, längst krank und verarmt - warum der Wohlstand der guten Jahre zerronnen war, ist nicht überliefert -, fasste er auf 58 Seiten zusammen, was ihn vierzig Jahre in der Werkstatt gelehrt hatten: „The Art and Practice of Etching“, ein praktisches Radier-Lehrbuch für Anfänger. Die zweite Auflage erschien 1851, und viel Zeit blieb dem Lehrmeister da nicht mehr: Am 7. April 1851 starb er in London. Sein Grab liegt auf dem Londoner Friedhof Highgate; die Beerdigung zahlte die Familie.