| Geboren | 1535 (Mechelen) |
| Gestorben | 1590 (Köln) |
| Nationalität | Belgien |
| Epochen | Renaissance |
| Genre | Porträt |
| Beruf | Grafiker, Kartograf, Maler, Kupferstecher, Verleger, Graveur |
| Familie | Geschwister: Remigius Hogenberg |
| Bekannte Werke | Jerusalem, Lucerna M.CCC.XXXII. Lucern, DECEM ET TRIA LOCA CONFOEDERATORUM HELVETIAE, German troops leaving Antwerp (1579), Portrait of Gerardus Mercator |
| Museen | Staatliche Museen zu Berlin |
Franz Hogenberg, flämischer Kupferstecher, Radierer und Kartograf, lebte 1572 als protestantischer Glaubensflüchtling in der streng katholischen Reichsstadt Köln. Dort brachte er gemeinsam mit dem Theologen Georg Braun den ersten Band der „Civitates Orbis Terrarum“ heraus, eines Städtebuchs, das am Ende sechs Bände und über 500 Stadtansichten von Europa bis nach Asien, Afrika und Lateinamerika umfassen sollte. Organisation, Redaktion und Texte besorgte Braun, die Seele des Buchprojekts; Hogenberg war Hauptstecher und Mitverleger. Gleich im Vorwort gab Braun den Lesern ein merkwürdiges Versprechen. Man habe vor jede Stadt Figuren in der Tracht des Landes gesetzt - auch damit die Türken, denen ihr Glaube die Darstellung des Menschen verbiete, diese Pläne niemals für Eroberungszüge nutzen könnten. Schon der Schmuck dieser Blätter war Politik.
Seine Herkunft lag in Mechelen in Flandern; dort wurde Franz Hogenberg 1535 geboren. Der Vater, der Kupferstecher Nikolaus Hogenberg, starb früh; die Mutter heiratete 1548 den Drucker und Kartografen Hendrik Terbruggen. So wuchs der Sohn in einem Haushalt auf, in dem Karten und Druckplatten zum Alltag gehörten. 1560 reiste er durch Frankreich, zur Jahreswende 1562/63 unterzeichnete er in Wesel am Niederrhein als Glaubensflüchtling ein lutherisches Bekenntnis, 1568 verbannte ihn die spanische Obrigkeit unter dem Herzog von Alba aus Antwerpen, mutmaßlich wegen protestantischer Sympathien. Anschließend stach er in London Titelblatt und Hofporträts für eine englische Bibelausgabe des Erzbischofs Matthew Parker, darunter ein Medaillonporträt Elisabeths I.; sein Bruder Remigius, ebenfalls Kupferstecher, blieb dauerhaft in England, während Franz sich in Köln niederließ. Mit Abraham Ortelius in Antwerpen verband ihn eine lebenslange Freundschaft; seit Mitte der 1560er Jahre stach er Karten für dessen „Theatrum Orbis Terrarum“, den ersten modernen Atlas. Die Civitates entstanden ab 1572 als Schwesterwerk für die Städte.
Eingelöst wurde Brauns Versprechen Blatt für Blatt. Auf dem „Plan von London aus 'Civitates Orbis Terrarum', Bd. 1, 1572“ zieht die Themse breit durch das Bild, die Brücke trägt Häuser, am Ufer steht der Tower, und vorn, auf einer grünen Anhöhe am Südufer, stehen vier Londoner in der Tracht ihrer Zeit, als kämen sie geradewegs aus der Stadt herüber. Der „Plan von Byzanz, umbenannt in Konstantinopel (heutiges Istanbul)“ breitet die Stadt des Sultans zwischen ihren Wasserstraßen aus; im Vordergrund zieht ein Reitertrupp mit Lanzen vorüber, und am unteren Rand reihen sich Medaillonporträts der osmanischen Herrscher - eben jener Türken, von denen Brauns Vorwort sprach. Auch „Palermo, Italien (Stich)“ folgt diesem Muster, mit Galeeren vor dem Hafen und einem dichten Register der Kirchen, Klöster und Tore am unteren Blattrand. Neben Mauern und Häfen führen die Ansichten Fuhrwerke, Schiffe und Gerichtsszenen vor; zum Porträt einer Stadt gehörte für Braun und Hogenberg auch ihre Wirtschaftskraft.
Die Städteansichten waren die eine Hälfte der Werkstatt, die Nachrichten die andere. Seit 1558 entstanden bei Hogenberg die sogenannten Geschichtsblätter, rund 470 Stiche und Radierungen zu den Ereignissen der Gegenwart - Schlachten, Belagerungen und Hinrichtungen aus den französischen Religionskriegen und dem Aufstand der Niederlande, oft kurz nach dem Geschehen ausgeliefert. Er gilt damit als frühester großer Bildberichterstatter dieser Kriege; die Forschung versteht seine Blätter zugleich als visuelle Geschichtsschreibung, die in den Streit um Macht, Glauben und Gewalt selbst eingriff. Ein Blatt aus den französischen Religionskriegen, die „Hinrichtung der Amboise-Verschwörer, 25. März“, trägt das Datum wie eine Meldung bereits im Titel: Vor dem Schloss drängt sich das Publikum, auf den Zinnen stehen Zuschauer, am Torbogen hängen die Verurteilten, und auf dem Gerüst holt der Scharfrichter mit dem Schwert aus. Der Mann, der solche Szenen stach, war selbst vor den Glaubenskonflikten geflohen. Noch 1589, ein Jahr vor seinem Tod, brachte er in Köln ein Flugblatt zur Hinrichtung Peter Stumps heraus, den seine Zeit den Werwolf von Bedburg nannte.
Leicht machte Köln es ihm nie. 1570 drohte ihm als Nichtkatholiken die Ausweisung, 1579 wurden er und seine zweite Frau Agnes Lomar verhaftet, weil sie an heimlichen reformierten Gottesdiensten teilgenommen hatten. Er blieb dennoch, kaufte 1585 ein Haus in der Glockengasse und führte eine Werkstatt, die zur bedeutendsten Kupferstecherwerkstatt des Rheinlands und zum Mittelpunkt einer Kölner Schule der Kartografie wurde, getragen vor allem von niederländischen Glaubensflüchtlingen wie ihm. 1590 starb Franz Hogenberg; begraben wurde er auf dem Geusenfriedhof, dem evangelischen Friedhof draußen vor den Stadtmauern. Die Werkstatt arbeitete weiter, zunächst unter seiner Witwe, dann unter dem Sohn Abraham. Der letzte Band der Civitates erschien 1617 - mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Tod des Vertriebenen, der den Städten Europas ihr großes Porträt gegeben hatte.
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| Geboren | 1535 (Mechelen) |
| Gestorben | 1590 (Köln) |
| Nationalität | Belgien |
| Epochen | Renaissance |
| Genre | Porträt |
| Beruf | Grafiker, Kartograf, Maler, Kupferstecher, Verleger, Graveur |
| Familie | Geschwister: Remigius Hogenberg |
| Bekannte Werke | Jerusalem, Lucerna M.CCC.XXXII. Lucern, DECEM ET TRIA LOCA CONFOEDERATORUM HELVETIAE, German troops leaving Antwerp (1579), Portrait of Gerardus Mercator |
| Museen | Staatliche Museen zu Berlin |
Franz Hogenberg, flämischer Kupferstecher, Radierer und Kartograf, lebte 1572 als protestantischer Glaubensflüchtling in der streng katholischen Reichsstadt Köln. Dort brachte er gemeinsam mit dem Theologen Georg Braun den ersten Band der „Civitates Orbis Terrarum“ heraus, eines Städtebuchs, das am Ende sechs Bände und über 500 Stadtansichten von Europa bis nach Asien, Afrika und Lateinamerika umfassen sollte. Organisation, Redaktion und Texte besorgte Braun, die Seele des Buchprojekts; Hogenberg war Hauptstecher und Mitverleger. Gleich im Vorwort gab Braun den Lesern ein merkwürdiges Versprechen. Man habe vor jede Stadt Figuren in der Tracht des Landes gesetzt - auch damit die Türken, denen ihr Glaube die Darstellung des Menschen verbiete, diese Pläne niemals für Eroberungszüge nutzen könnten. Schon der Schmuck dieser Blätter war Politik.
Seine Herkunft lag in Mechelen in Flandern; dort wurde Franz Hogenberg 1535 geboren. Der Vater, der Kupferstecher Nikolaus Hogenberg, starb früh; die Mutter heiratete 1548 den Drucker und Kartografen Hendrik Terbruggen. So wuchs der Sohn in einem Haushalt auf, in dem Karten und Druckplatten zum Alltag gehörten. 1560 reiste er durch Frankreich, zur Jahreswende 1562/63 unterzeichnete er in Wesel am Niederrhein als Glaubensflüchtling ein lutherisches Bekenntnis, 1568 verbannte ihn die spanische Obrigkeit unter dem Herzog von Alba aus Antwerpen, mutmaßlich wegen protestantischer Sympathien. Anschließend stach er in London Titelblatt und Hofporträts für eine englische Bibelausgabe des Erzbischofs Matthew Parker, darunter ein Medaillonporträt Elisabeths I.; sein Bruder Remigius, ebenfalls Kupferstecher, blieb dauerhaft in England, während Franz sich in Köln niederließ. Mit Abraham Ortelius in Antwerpen verband ihn eine lebenslange Freundschaft; seit Mitte der 1560er Jahre stach er Karten für dessen „Theatrum Orbis Terrarum“, den ersten modernen Atlas. Die Civitates entstanden ab 1572 als Schwesterwerk für die Städte.
Eingelöst wurde Brauns Versprechen Blatt für Blatt. Auf dem „Plan von London aus 'Civitates Orbis Terrarum', Bd. 1, 1572“ zieht die Themse breit durch das Bild, die Brücke trägt Häuser, am Ufer steht der Tower, und vorn, auf einer grünen Anhöhe am Südufer, stehen vier Londoner in der Tracht ihrer Zeit, als kämen sie geradewegs aus der Stadt herüber. Der „Plan von Byzanz, umbenannt in Konstantinopel (heutiges Istanbul)“ breitet die Stadt des Sultans zwischen ihren Wasserstraßen aus; im Vordergrund zieht ein Reitertrupp mit Lanzen vorüber, und am unteren Rand reihen sich Medaillonporträts der osmanischen Herrscher - eben jener Türken, von denen Brauns Vorwort sprach. Auch „Palermo, Italien (Stich)“ folgt diesem Muster, mit Galeeren vor dem Hafen und einem dichten Register der Kirchen, Klöster und Tore am unteren Blattrand. Neben Mauern und Häfen führen die Ansichten Fuhrwerke, Schiffe und Gerichtsszenen vor; zum Porträt einer Stadt gehörte für Braun und Hogenberg auch ihre Wirtschaftskraft.
Die Städteansichten waren die eine Hälfte der Werkstatt, die Nachrichten die andere. Seit 1558 entstanden bei Hogenberg die sogenannten Geschichtsblätter, rund 470 Stiche und Radierungen zu den Ereignissen der Gegenwart - Schlachten, Belagerungen und Hinrichtungen aus den französischen Religionskriegen und dem Aufstand der Niederlande, oft kurz nach dem Geschehen ausgeliefert. Er gilt damit als frühester großer Bildberichterstatter dieser Kriege; die Forschung versteht seine Blätter zugleich als visuelle Geschichtsschreibung, die in den Streit um Macht, Glauben und Gewalt selbst eingriff. Ein Blatt aus den französischen Religionskriegen, die „Hinrichtung der Amboise-Verschwörer, 25. März“, trägt das Datum wie eine Meldung bereits im Titel: Vor dem Schloss drängt sich das Publikum, auf den Zinnen stehen Zuschauer, am Torbogen hängen die Verurteilten, und auf dem Gerüst holt der Scharfrichter mit dem Schwert aus. Der Mann, der solche Szenen stach, war selbst vor den Glaubenskonflikten geflohen. Noch 1589, ein Jahr vor seinem Tod, brachte er in Köln ein Flugblatt zur Hinrichtung Peter Stumps heraus, den seine Zeit den Werwolf von Bedburg nannte.
Leicht machte Köln es ihm nie. 1570 drohte ihm als Nichtkatholiken die Ausweisung, 1579 wurden er und seine zweite Frau Agnes Lomar verhaftet, weil sie an heimlichen reformierten Gottesdiensten teilgenommen hatten. Er blieb dennoch, kaufte 1585 ein Haus in der Glockengasse und führte eine Werkstatt, die zur bedeutendsten Kupferstecherwerkstatt des Rheinlands und zum Mittelpunkt einer Kölner Schule der Kartografie wurde, getragen vor allem von niederländischen Glaubensflüchtlingen wie ihm. 1590 starb Franz Hogenberg; begraben wurde er auf dem Geusenfriedhof, dem evangelischen Friedhof draußen vor den Stadtmauern. Die Werkstatt arbeitete weiter, zunächst unter seiner Witwe, dann unter dem Sohn Abraham. Der letzte Band der Civitates erschien 1617 - mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Tod des Vertriebenen, der den Städten Europas ihr großes Porträt gegeben hatte.