| Geboren | 31. Juli 1860 (Philadelphia) |
| Gestorben | 22. August 1940 (St. Andrews) im Alter von 80 Jahren |
| Nationalität | Vereinigte Staaten |
| Genre | Blumenmalerei |
| Beruf | Botanischer Illustrator, Maler, Fotograf, Botaniker, Wissenschaftlicher Illustrator |
| Familie | Vater: George Vaux Mutter: Sarah H. Morris Vaux Ehepartner/in: Charles Doolittle Walcott Geschwister: George, Jr. Vaux |
| Bekannte Werke | Alaska Fleabane (Erigeron salsuginosus) (1925), Alberta Paintbrush (Catilleja miniata) (1920), Alberta Primrose (Primula maccalliana) (1917), Aleutian Fleabane (Erigeron unalaschensis) (1900), Alpine Fernlife (Pedicularis contorta) (1907) |
| Museen | Smithsonian American Art Museum |
An einem frostigen Morgen in einem Feldlager der kanadischen Rocky Mountains saß eine Frau von über sechzig Jahren vor dem offenen Zelt, ein Lagerfeuer hielt die Kälte fern, und unter ihrem Pinsel entstand das Aquarell einer Wildblume. Eine Fotografie von 1925 hält diese Szene fest, und sie sagt über Mary Vaux Walcott (1860-1940) mehr als jedes Atelierporträt: Das Atelier der US-amerikanischen botanischen Aquarellmalerin und Naturforscherin war ein Zeltlager, ihr Modell eine frisch gepflückte Blüte, zu malen, ehe die Farben verblassten.
Wer ihre Blätter aus der Nähe ansieht, findet diese Feldarbeit in ihnen aufgehoben. „Westliche Eberesche Sorbus sambucifolia, 1918“ zeigt einen Zweig voll orangeroter Beerendolden zwischen fein gesägten Fiederblättern; unten rechts steht in ihrer Handschrift „Vermilion Pass 9.15.1918“ - Ort und Tag des Fundes wie in einem Feldbuch. „Amerikanische Kastanie Castanea dentata, 1932“ öffnet eine stachelige Fruchtschale und gibt drei glänzende Kastanien frei. Vor dem hellen Grund wirken beide Zweige wie für ein Bestimmungsbuch bereitgelegt.
Diese Genauigkeit hatte eine lange Vorgeschichte. Geboren am 31. Juli 1860 in Philadelphia, wuchs Mary Morris Vaux als ältestes Kind einer wohlhabenden, strenggläubigen Quäker-Familie auf. Mit acht Jahren bekam sie einen Aquarellkasten, mit vierzehn malte sie „Ohne Titel - Herbstblätter, 1874“, ein Blatt mit roten und herbstbraunen Ahornblättern an einem dünnen Zweig, daneben in roter Schrift das Kürzel „M.M.V.“ - Mary Morris Vaux, ihr Mädchenname. Nach dem Tod der Mutter 1880 führte die Tochter den Haushalt für Vater und zwei Brüder. 1887 reiste die Familie zum ersten Mal in den Westen, rund 10.000 Meilen mit Bahn, Kutsche, Fähre und zu Pferd, bis an den Illecillewaet-Gletscher in den kanadischen Selkirk-Bergen. Als die Familie Jahre später zurückkehrte, war das Eis sichtbar zurückgewichen, und aus dem Reiseeindruck wurde eine Messreihe über Jahrzehnte - feste Punkte im Fels, Seillinien, jährlich rot bemalte Stahlplatten auf dem Eis, an denen sich das Schwinden des Eises ablesen ließ. Diese Beobachtungen gelten als erste formale Gletscherstudie Kanadas. Am 21. Juli 1900, zehn Tage vor ihrem vierzigsten Geburtstag, stieg Mary Vaux mit zwei Schweizer Bergführern auf den Mount Stephen, die erste dokumentierte Besteigung eines Gipfels über 10.000 Fuß durch eine Frau in Kanada. Seit 1908 trägt ein Berg im Jasper-Nationalpark ihren Namen, benannt von ihrer Freundin, der Entdeckerin Mary Schäffer Warren - eine Frau benannte einen Berg nach einer anderen.
Ein Botaniker bat sie eines Sommers, eine seltene blühende Arnika zu malen; die Arbeit geriet so überzeugend, dass sie von da an gezielt nach blühenden Arten suchte. Auf den Bergreisen begegnete sie Charles Doolittle Walcott, dem Paläontologen an der Spitze der Smithsonian Institution; in Briefen redete sie ihn mit „Thou“ und „Thee“ an und verwendete damit das altertümliche Du der Quäker. 1914 heirateten die beiden, sie war 54. Fortan verbrachte das Paar jeden Sommer drei bis vier Monate im Camp in den Rockies, er suchte Fossilien, sie malte Wildblumen; über die Jahrzehnte kamen mehr als 1000 Aquarelle zusammen. Ab 1925 erschien daraus „North American Wild Flowers“, fünf Bände mit 400 losen Tafeln. Der New Yorker Drucker William Edwin Rudge legte dafür Schichten wasserfester Farbe auf schweres Baumwollpapier und tauchte die fertigen Blätter in Wasser, bis sich die Fasern aufrichteten und die glatte Druckfläche wieder die feine, raue Struktur von Aquarellpapier annahm. Sie selbst befand, das Ergebnis sei vom gemalten Blatt kaum zu unterscheiden, und das Werk trug ihr den Beinamen „Audubon of Botany“ ein, nach dem großen amerikanischen Vogelmaler Audubon.
Gemalt hat sie bis in ihr letztes Jahrzehnt. „Wake-Robin Trillium simile, 1939“ entstand, als sie 78 war; das Blatt zeigt zwei weiße, dreiblättrige Blüten unter breiten, kräftig geäderten Blättern, und die Signatur „M.V.W. 5.3.'39“ - jetzt mit den Initialen ihres Ehenamens - setzt das Datum dazu. Ihren 75. Geburtstag hatte sie mit einem Ritt von 20 Meilen gefeiert, ihren letzten Sommer in den Rockies verbrachte sie mit 79. Am 22. August 1940 starb Mary Vaux Walcott bei Freunden in St. Andrews in der kanadischen Provinz New Brunswick, kurz nach ihrem 80. Geburtstag. Mehrere hundert ihrer Aquarelle gingen später als geschlossene Sammlung an die Smithsonian Institution.
Dass bei dieser Malerin viel vom Papier abhängt, wussten schon die Drucker von 1925, die jedes Blatt eigens ins Wasserbad tauchten. Bei Meisterdrucke löst dieselbe Aufgabe heute ein sehr rauer Büttenkarton aus reiner Baumwolle, der botanische Illustrationen und zentriert gesetzte Motive besonders gut trägt; seine offene Oberfläche gibt Walcotts Beerendolden und Blütenblättern die feine Körnung eines Aquarells zurück. Ein ehrliches Wort gehört dazu - bei sehr dunklen Flächen können sich einzelne Fasern lösen, das ist der Charakter dieses Papiers, und wir sagen es lieber vorher. Für die Wand empfehlen wir deshalb eine Rahmung hinter Glas, dem rauen Papier und der Wildblume zuliebe.
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| Geboren | 31. Juli 1860 (Philadelphia) |
| Gestorben | 22. August 1940 (St. Andrews) im Alter von 80 Jahren |
| Nationalität | Vereinigte Staaten |
| Genre | Blumenmalerei |
| Beruf | Botanischer Illustrator, Maler, Fotograf, Botaniker, Wissenschaftlicher Illustrator |
| Familie | Vater: George Vaux Mutter: Sarah H. Morris Vaux Ehepartner/in: Charles Doolittle Walcott Geschwister: George, Jr. Vaux |
| Bekannte Werke | Alaska Fleabane (Erigeron salsuginosus) (1925), Alberta Paintbrush (Catilleja miniata) (1920), Alberta Primrose (Primula maccalliana) (1917), Aleutian Fleabane (Erigeron unalaschensis) (1900), Alpine Fernlife (Pedicularis contorta) (1907) |
| Museen | Smithsonian American Art Museum |
An einem frostigen Morgen in einem Feldlager der kanadischen Rocky Mountains saß eine Frau von über sechzig Jahren vor dem offenen Zelt, ein Lagerfeuer hielt die Kälte fern, und unter ihrem Pinsel entstand das Aquarell einer Wildblume. Eine Fotografie von 1925 hält diese Szene fest, und sie sagt über Mary Vaux Walcott (1860-1940) mehr als jedes Atelierporträt: Das Atelier der US-amerikanischen botanischen Aquarellmalerin und Naturforscherin war ein Zeltlager, ihr Modell eine frisch gepflückte Blüte, zu malen, ehe die Farben verblassten.
Wer ihre Blätter aus der Nähe ansieht, findet diese Feldarbeit in ihnen aufgehoben. „Westliche Eberesche Sorbus sambucifolia, 1918“ zeigt einen Zweig voll orangeroter Beerendolden zwischen fein gesägten Fiederblättern; unten rechts steht in ihrer Handschrift „Vermilion Pass 9.15.1918“ - Ort und Tag des Fundes wie in einem Feldbuch. „Amerikanische Kastanie Castanea dentata, 1932“ öffnet eine stachelige Fruchtschale und gibt drei glänzende Kastanien frei. Vor dem hellen Grund wirken beide Zweige wie für ein Bestimmungsbuch bereitgelegt.
Diese Genauigkeit hatte eine lange Vorgeschichte. Geboren am 31. Juli 1860 in Philadelphia, wuchs Mary Morris Vaux als ältestes Kind einer wohlhabenden, strenggläubigen Quäker-Familie auf. Mit acht Jahren bekam sie einen Aquarellkasten, mit vierzehn malte sie „Ohne Titel - Herbstblätter, 1874“, ein Blatt mit roten und herbstbraunen Ahornblättern an einem dünnen Zweig, daneben in roter Schrift das Kürzel „M.M.V.“ - Mary Morris Vaux, ihr Mädchenname. Nach dem Tod der Mutter 1880 führte die Tochter den Haushalt für Vater und zwei Brüder. 1887 reiste die Familie zum ersten Mal in den Westen, rund 10.000 Meilen mit Bahn, Kutsche, Fähre und zu Pferd, bis an den Illecillewaet-Gletscher in den kanadischen Selkirk-Bergen. Als die Familie Jahre später zurückkehrte, war das Eis sichtbar zurückgewichen, und aus dem Reiseeindruck wurde eine Messreihe über Jahrzehnte - feste Punkte im Fels, Seillinien, jährlich rot bemalte Stahlplatten auf dem Eis, an denen sich das Schwinden des Eises ablesen ließ. Diese Beobachtungen gelten als erste formale Gletscherstudie Kanadas. Am 21. Juli 1900, zehn Tage vor ihrem vierzigsten Geburtstag, stieg Mary Vaux mit zwei Schweizer Bergführern auf den Mount Stephen, die erste dokumentierte Besteigung eines Gipfels über 10.000 Fuß durch eine Frau in Kanada. Seit 1908 trägt ein Berg im Jasper-Nationalpark ihren Namen, benannt von ihrer Freundin, der Entdeckerin Mary Schäffer Warren - eine Frau benannte einen Berg nach einer anderen.
Ein Botaniker bat sie eines Sommers, eine seltene blühende Arnika zu malen; die Arbeit geriet so überzeugend, dass sie von da an gezielt nach blühenden Arten suchte. Auf den Bergreisen begegnete sie Charles Doolittle Walcott, dem Paläontologen an der Spitze der Smithsonian Institution; in Briefen redete sie ihn mit „Thou“ und „Thee“ an und verwendete damit das altertümliche Du der Quäker. 1914 heirateten die beiden, sie war 54. Fortan verbrachte das Paar jeden Sommer drei bis vier Monate im Camp in den Rockies, er suchte Fossilien, sie malte Wildblumen; über die Jahrzehnte kamen mehr als 1000 Aquarelle zusammen. Ab 1925 erschien daraus „North American Wild Flowers“, fünf Bände mit 400 losen Tafeln. Der New Yorker Drucker William Edwin Rudge legte dafür Schichten wasserfester Farbe auf schweres Baumwollpapier und tauchte die fertigen Blätter in Wasser, bis sich die Fasern aufrichteten und die glatte Druckfläche wieder die feine, raue Struktur von Aquarellpapier annahm. Sie selbst befand, das Ergebnis sei vom gemalten Blatt kaum zu unterscheiden, und das Werk trug ihr den Beinamen „Audubon of Botany“ ein, nach dem großen amerikanischen Vogelmaler Audubon.
Gemalt hat sie bis in ihr letztes Jahrzehnt. „Wake-Robin Trillium simile, 1939“ entstand, als sie 78 war; das Blatt zeigt zwei weiße, dreiblättrige Blüten unter breiten, kräftig geäderten Blättern, und die Signatur „M.V.W. 5.3.'39“ - jetzt mit den Initialen ihres Ehenamens - setzt das Datum dazu. Ihren 75. Geburtstag hatte sie mit einem Ritt von 20 Meilen gefeiert, ihren letzten Sommer in den Rockies verbrachte sie mit 79. Am 22. August 1940 starb Mary Vaux Walcott bei Freunden in St. Andrews in der kanadischen Provinz New Brunswick, kurz nach ihrem 80. Geburtstag. Mehrere hundert ihrer Aquarelle gingen später als geschlossene Sammlung an die Smithsonian Institution.
Dass bei dieser Malerin viel vom Papier abhängt, wussten schon die Drucker von 1925, die jedes Blatt eigens ins Wasserbad tauchten. Bei Meisterdrucke löst dieselbe Aufgabe heute ein sehr rauer Büttenkarton aus reiner Baumwolle, der botanische Illustrationen und zentriert gesetzte Motive besonders gut trägt; seine offene Oberfläche gibt Walcotts Beerendolden und Blütenblättern die feine Körnung eines Aquarells zurück. Ein ehrliches Wort gehört dazu - bei sehr dunklen Flächen können sich einzelne Fasern lösen, das ist der Charakter dieses Papiers, und wir sagen es lieber vorher. Für die Wand empfehlen wir deshalb eine Rahmung hinter Glas, dem rauen Papier und der Wildblume zuliebe.