| Geboren | 1512 (Orgelet) |
| Gestorben | 1577 (Rom) |
| Nationalität | Frankreich |
| Epochen | Renaissance |
| Beruf | Maler, Kartograf, Graveur, Verleger, Grafiker, Kupferstecher |
| Bekannte Werke | Ancient Temples and Rotundas (Five Designs) (1568), Amphitheatri Veronen Diligens et Accurata Delineatio (1560), Circi Maximi Accuratissima Descriptio (1568), Circi Maximi Accuratissima Descriptio (1568), Speculum Romanae Magnificentiae (1568) |
| Museen | Yale Center for British Art, Nationalmuseum Schweden |
Ein Band in der Bibliothek der Universität Chicago versammelt fast tausend gestochene Ansichten Roms und seiner Altertümer. Kein zweites Exemplar gleicht ihm, denn solche Bände wurden nie als fertige Bücher verkauft. Jeder einzelne entstand in einem Laden in Rom, in dem der Kunde aus Hunderten Blättern wählte und seine Auswahl binden ließ. Der Laden gehörte Antonio Lafreri, Kupferstecher, Kartenhändler und Verleger - dem Mann, der aus dem Bild von Rom ein Geschäft nach Maß machte.
Auf Französisch hieß er Antoine Lafrery. Geboren 1512 in der Franche-Comté - über den genauen Ort streiten die Quellen, gesichert ist nur die Landschaft -, zog er um 1540 nach Rom und machte aus dem französischen Lafrery das italienische Lafreri. Seine frühen Platten signierte er als „Sequaner“, nach dem antiken Volk seiner Heimat - ein Franzose, der seine Herkunft ins Antike übersetzte. 1544 eröffnete er sein Geschäft an der Via del Parione, mitten im Druckerviertel zwischen Piazza Navona und Campo de' Fiori. Die ersten Jahre bestritt er großteils mit Kopien nach Stichen seines Rivalen Antonio Salamanca; 1553 taten sich die beiden zusammen, und nach Salamancas Tod führte Lafreri das Geschäft ab 1563 allein - bald als führender Stichhändler Roms.
Was er verkaufte, war ein System. Sein „Speculum Romanae Magnificentiae“, der Spiegel römischer Pracht, war kein festes Buch, eher ein offenes Angebot: Rom-Ansichten und Antikenstiche, bis 1567 gut hundert Platten, ausgeführt von den besten Stechern der Stadt. Der Käufer stellte sich daraus sein eigenes Rom zusammen und ließ es binden; Mitte der 1570er Jahre druckte Lafreri ein eigenes Titelblatt dazu. Mit den Landkarten hielt er es genauso. Als Erster handelte er in Rom in großem Stil mit modernen geographischen Karten, stellte um 1570 Kartenbände unter einem gestochenen Titelblatt zusammen und veröffentlichte 1572 einen gedruckten Lagerkatalog mit rund fünfhundert Titeln, den ersten Verlagskatalog seiner Art. Die Forschung nennt solche Bestellbände heute Lafreri-Atlanten.
Ein Verkaufserfolg kam ausgerechnet aus dem hohen Norden. Die Carta Marina des Olaus Magnus, eine Karte Skandinaviens auf neun großen Blättern von 1539, war zu groß und zu teuer geraten, um Käufer zu finden. Erst Lafreris Fassung von 1572, rund ein Viertel so groß, verkaufte sich: „Skandinavien, Detail aus der Carta Marina von Olaus Magnus, 1572“. Auf dem Blatt wimmelt der Norden. Seeungeheuer packen Galeonen, Eisbären fischen vor Island, auf den Färöern zerlegen Insulaner ein erlegtes Meerestier zu Dudelsackmusik; wo Eisen, Kupfer oder Silber im Boden liegen, setzt die Karte kleine Zeichen.
Rom selbst verkaufte er in jeder Gestalt. An zwei antike Statuen, Marforio und Pasquino, hefteten die Römer nachts Spottzettel gegen die Mächtigen - deshalb hießen sie die sprechenden Statuen; Marforio galt als Stichwortgeber, Pasquino gab die giftigen Antworten. 1550 verlegte Lafreri „Die 'sprechende' Statue von Marforio in Rom, vom Künstler graviert, 1550“, versehen mit seinem Verlegervermerk „Ant. Lafreri Formis Romae“. Das Blatt zeigt den kolossalen bärtigen Flussgott, der damals beim Bogen des Septimius Severus am Forum lag; im Stich ruht er vor brüchigem Ziegelwerk unter einem gestochenen Gedicht. Zum Heiligen Jahr 1575 lag das passende Blatt im Ladenfenster: „Die Sieben Kirchen von Rom, 1575“ zeigt Pilgerzüge zwischen den sieben Hauptkirchen der Stadt; mit dem Stich ließ sich der Rundgang planen. Zwei Jahre zuvor war seine große Perspektivkarte Mailands erschienen: „Stadtplan von Mailand, herausgegeben von Antonio Lafreri (1512-1577) im Jahr 1573. Dies ist der älteste Stadtplan von Mailand“. Auf der Karte lässt sich noch das Castrum ablesen, die Anlage des antiken römischen Lagers.
Im Juli 1577 starb Antonio Lafreri in dem Haus an der Via del Parione, in dem er mehr als drei Jahrzehnte gelebt und gearbeitet hatte - ohne Testament und ohne direkte Erben. Das eigentliche Kapital lag in den Kupferplatten; der Stecher Mario Cartaro wurde als Schätzmeister für die Teilung unter Verwandten aus der Franche-Comté bestellt. Claudio Duchetti, einer dieser Verwandten, führte Laden und Speculum-Geschäft weiter, ließ Platten, die bei der Teilung an andere gefallen waren, neu stechen und setzte auf die übernommenen Platten den Zusatz, er sei der Neffe des verstorbenen Antonio Lafreri. Um 1602 druckte Giovanni Orlandi noch immer von vielen dieser Platten.
Wenn wir bei Meisterdrucke solche Blätter als Kunstdrucke fertigen, beginnt die Arbeit mit einer Papierfrage. Für historische Karten führen wir ein extrem leichtes Japanpapier, Murakumo, 42 Gramm pro Quadratmeter, mit warmem Ecru-Ton und einer Anmutung wie Pergament - es trägt den alten Charakter von selbst, nichts wird künstlich auf alt getrimmt. Eine Grenze gehört dazu: Den kräftigen Farbflächen der kolorierten Carta Marina wird anderes Papier besser gerecht. Die einfarbigen Stiche und Pläne aber, der Mailand-Plan etwa oder die Sieben Kirchen, finden auf dem hauchdünnen, warmen Papier genau den Grund, den ein Blatt aus dem sechzehnten Jahrhundert verlangt.
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| Geboren | 1512 (Orgelet) |
| Gestorben | 1577 (Rom) |
| Nationalität | Frankreich |
| Epochen | Renaissance |
| Beruf | Maler, Kartograf, Graveur, Verleger, Grafiker, Kupferstecher |
| Bekannte Werke | Ancient Temples and Rotundas (Five Designs) (1568), Amphitheatri Veronen Diligens et Accurata Delineatio (1560), Circi Maximi Accuratissima Descriptio (1568), Circi Maximi Accuratissima Descriptio (1568), Speculum Romanae Magnificentiae (1568) |
| Museen | Yale Center for British Art, Nationalmuseum Schweden |
Ein Band in der Bibliothek der Universität Chicago versammelt fast tausend gestochene Ansichten Roms und seiner Altertümer. Kein zweites Exemplar gleicht ihm, denn solche Bände wurden nie als fertige Bücher verkauft. Jeder einzelne entstand in einem Laden in Rom, in dem der Kunde aus Hunderten Blättern wählte und seine Auswahl binden ließ. Der Laden gehörte Antonio Lafreri, Kupferstecher, Kartenhändler und Verleger - dem Mann, der aus dem Bild von Rom ein Geschäft nach Maß machte.
Auf Französisch hieß er Antoine Lafrery. Geboren 1512 in der Franche-Comté - über den genauen Ort streiten die Quellen, gesichert ist nur die Landschaft -, zog er um 1540 nach Rom und machte aus dem französischen Lafrery das italienische Lafreri. Seine frühen Platten signierte er als „Sequaner“, nach dem antiken Volk seiner Heimat - ein Franzose, der seine Herkunft ins Antike übersetzte. 1544 eröffnete er sein Geschäft an der Via del Parione, mitten im Druckerviertel zwischen Piazza Navona und Campo de' Fiori. Die ersten Jahre bestritt er großteils mit Kopien nach Stichen seines Rivalen Antonio Salamanca; 1553 taten sich die beiden zusammen, und nach Salamancas Tod führte Lafreri das Geschäft ab 1563 allein - bald als führender Stichhändler Roms.
Was er verkaufte, war ein System. Sein „Speculum Romanae Magnificentiae“, der Spiegel römischer Pracht, war kein festes Buch, eher ein offenes Angebot: Rom-Ansichten und Antikenstiche, bis 1567 gut hundert Platten, ausgeführt von den besten Stechern der Stadt. Der Käufer stellte sich daraus sein eigenes Rom zusammen und ließ es binden; Mitte der 1570er Jahre druckte Lafreri ein eigenes Titelblatt dazu. Mit den Landkarten hielt er es genauso. Als Erster handelte er in Rom in großem Stil mit modernen geographischen Karten, stellte um 1570 Kartenbände unter einem gestochenen Titelblatt zusammen und veröffentlichte 1572 einen gedruckten Lagerkatalog mit rund fünfhundert Titeln, den ersten Verlagskatalog seiner Art. Die Forschung nennt solche Bestellbände heute Lafreri-Atlanten.
Ein Verkaufserfolg kam ausgerechnet aus dem hohen Norden. Die Carta Marina des Olaus Magnus, eine Karte Skandinaviens auf neun großen Blättern von 1539, war zu groß und zu teuer geraten, um Käufer zu finden. Erst Lafreris Fassung von 1572, rund ein Viertel so groß, verkaufte sich: „Skandinavien, Detail aus der Carta Marina von Olaus Magnus, 1572“. Auf dem Blatt wimmelt der Norden. Seeungeheuer packen Galeonen, Eisbären fischen vor Island, auf den Färöern zerlegen Insulaner ein erlegtes Meerestier zu Dudelsackmusik; wo Eisen, Kupfer oder Silber im Boden liegen, setzt die Karte kleine Zeichen.
Rom selbst verkaufte er in jeder Gestalt. An zwei antike Statuen, Marforio und Pasquino, hefteten die Römer nachts Spottzettel gegen die Mächtigen - deshalb hießen sie die sprechenden Statuen; Marforio galt als Stichwortgeber, Pasquino gab die giftigen Antworten. 1550 verlegte Lafreri „Die 'sprechende' Statue von Marforio in Rom, vom Künstler graviert, 1550“, versehen mit seinem Verlegervermerk „Ant. Lafreri Formis Romae“. Das Blatt zeigt den kolossalen bärtigen Flussgott, der damals beim Bogen des Septimius Severus am Forum lag; im Stich ruht er vor brüchigem Ziegelwerk unter einem gestochenen Gedicht. Zum Heiligen Jahr 1575 lag das passende Blatt im Ladenfenster: „Die Sieben Kirchen von Rom, 1575“ zeigt Pilgerzüge zwischen den sieben Hauptkirchen der Stadt; mit dem Stich ließ sich der Rundgang planen. Zwei Jahre zuvor war seine große Perspektivkarte Mailands erschienen: „Stadtplan von Mailand, herausgegeben von Antonio Lafreri (1512-1577) im Jahr 1573. Dies ist der älteste Stadtplan von Mailand“. Auf der Karte lässt sich noch das Castrum ablesen, die Anlage des antiken römischen Lagers.
Im Juli 1577 starb Antonio Lafreri in dem Haus an der Via del Parione, in dem er mehr als drei Jahrzehnte gelebt und gearbeitet hatte - ohne Testament und ohne direkte Erben. Das eigentliche Kapital lag in den Kupferplatten; der Stecher Mario Cartaro wurde als Schätzmeister für die Teilung unter Verwandten aus der Franche-Comté bestellt. Claudio Duchetti, einer dieser Verwandten, führte Laden und Speculum-Geschäft weiter, ließ Platten, die bei der Teilung an andere gefallen waren, neu stechen und setzte auf die übernommenen Platten den Zusatz, er sei der Neffe des verstorbenen Antonio Lafreri. Um 1602 druckte Giovanni Orlandi noch immer von vielen dieser Platten.
Wenn wir bei Meisterdrucke solche Blätter als Kunstdrucke fertigen, beginnt die Arbeit mit einer Papierfrage. Für historische Karten führen wir ein extrem leichtes Japanpapier, Murakumo, 42 Gramm pro Quadratmeter, mit warmem Ecru-Ton und einer Anmutung wie Pergament - es trägt den alten Charakter von selbst, nichts wird künstlich auf alt getrimmt. Eine Grenze gehört dazu: Den kräftigen Farbflächen der kolorierten Carta Marina wird anderes Papier besser gerecht. Die einfarbigen Stiche und Pläne aber, der Mailand-Plan etwa oder die Sieben Kirchen, finden auf dem hauchdünnen, warmen Papier genau den Grund, den ein Blatt aus dem sechzehnten Jahrhundert verlangt.